Seit Apple im November 2019 mit Apple TV+ auf den Streaming-Markt ging, stand eine Frage im Raum: Warum mischt ein Tech-Konzern mit Fokus auf iPhones, Macs und iPads plötzlich bei Serien und Filmen mit? Es geht nicht nur um Unterhaltung. Es steckt Strategie dahinter. Apple investiert Milliarden in eigene Inhalte und betreibt ein vollwertiges Hollywood-Studio. Selbst der Netflix-CEO zeigte sich öffentlich erstaunt über Apples Engagement in diesem Bereich. Ein neuer Bericht könnte jetzt erklären, warum Apple das überhaupt macht – und wie der Dienst in die Gesamtstrategie passt.
Der Streamingdienst Apple TV+ kostet 9,99 Euro im Monat und bietet Serien wie „Ted Lasso“, „Severance“, „The Morning Show“, „Silo“ oder „Shrinking“. Teilweise kannst du Apple TV+ auch kostenlos testen oder in Aktionspaketen nutzen, zum Beispiel beim Kauf eines neuen Geräts. Was bisher nicht ganz klar war: Dient der Dienst nur zur Gewinnmaximierung im Streaming-Markt – oder hat Apple einen größeren Plan? Laut einer neuen Untersuchung von CIRP (Consumer Intelligence Research Partners) scheint Apple TV+ eine wichtige Rolle im Apple-Ökosystem zu spielen. Und es geht offenbar weniger um Netflix-Konkurrenz, sondern mehr um Kundenbindung (via CIRP).
Apple TV+ Abonnenten besitzen mehr Apple-Produkte
Die Daten von CIRP beziehen sich auf die zwölf Monate bis Dezember 2024. In diesem Zeitraum zeigte sich: Rund ein Drittel der Kunden, die in den letzten drei Monaten ein neues Apple-Gerät gekauft haben, sind auch Abonnenten von Apple TV+. Diese Gruppe hat nicht nur den Streamingdienst – sie besitzt deutlich mehr Apple-Produkte als andere. Die wichtigsten Zahlen:
- 50 Prozent der Apple TV+ Abonnenten besitzen ein iPhone, ein iPad und einen Mac.
- Bei denjenigen, die Apple TV+ nicht nutzen, liegt dieser Anteil nur bei etwa einem Drittel.
- Nur 13 Prozent der Apple TV+ Nutzer besitzen nur eines dieser drei Hauptprodukte (iPhone, iPad, Mac).
- Bei den Nicht-Abonnenten liegt dieser Anteil bei fast einem Viertel.
CIRP betrachtet vor allem diese drei Produktkategorien, da sie den Kern des Apple-Ökosystems bilden. Wer Apple TV+ nutzt, ist also mit großer Wahrscheinlichkeit tief im Apple-Kosmos verankert.
Was bedeuten diese Zahlen?
Die Frage, die sich aus diesen Daten ergibt, ist: Warum ist das so? Mehrere Hypothesen stehen im Raum:
- Wer mehrere Apple-Produkte besitzt, hat wahrscheinlich auch das nötige Budget, sich zusätzliche Dienste wie Apple TV+ zu leisten.
- Es könnte sich um einen klassischen Halo-Effekt handeln: Wenn man mit Apple-Produkten zufrieden ist, steigt die Bereitschaft, auch die Dienste des Unternehmens zu nutzen – inklusive Apple TV+.
- Besitzer mehrerer Geräte sind möglicherweise stärker mit dem Apple-Universum vertraut und kennen die Angebote besser. Dadurch stoßen sie eher auf Apple TV+ und probieren es aus.
- Eine umgekehrte Wirkung ist ebenfalls denkbar: Apple TV+ könnte dazu führen, dass Nutzer sich zusätzlich Geräte anschaffen, um das Erlebnis zu verbessern – zum Beispiel ein Apple TV Gerät fürs Wohnzimmer oder ein iPad für unterwegs.
CIRP gibt in seinem Bericht keine klare Antwort darauf, welche Ursache tatsächlich zutrifft. Es ist auch gut möglich, dass mehrere dieser Effekte gleichzeitig wirken. Klar ist nur: Die Verbindung zwischen Apple TV+ und einer höheren Geräteanzahl ist statistisch deutlich sichtbar.
Apple TV+ als strategisches Bindeglied im Ökosystem
Egal, ob Apple TV+ dazu führt, dass Kunden mehr Produkte kaufen – oder ob Kunden mit vielen Geräten eher zu Apple TV+ greifen – Apple profitiert in beiden Fällen. Der Dienst erfüllt offensichtlich eine strategische Rolle: Er stärkt die Kundenbindung, verankert Nutzer tiefer im Apple-Ökosystem und macht andere Apple-Produkte attraktiver. Das erklärt auch, warum Apple so viel Geld und Energie in Inhalte steckt. Es geht nicht nur um Serienhits oder Streamingzahlen. Apple TV+ ist ein Werkzeug, das den Wert der gesamten Apple-Welt erhöht. Und das scheint gut zu funktionieren. (Bild: Apple)
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